Rudolf Steiner

Schon als Kind begegnete Rudolf Steiner (1861-1926) dem behinderten Menschen: Sein Bruder Gustav, geb. 1866 in Pottschach, war gehörlos. Dort, wo der Vater eine Station der Semmeringbahn leitete, kam oft zur Ankunft der Züge ein hydrozephaler, etwa 30-jähriger Mann auf Krücken, der sich gerne mit dem damals 5-jährigen Rudolf unterhielt.

1884, als R. Steiner in Wien studierte, finanzierte er sein Studium als Hauslehrer bei der Familie Specht, wo ihm v.a. die Beschulung des „unbeschulbaren“ Otto anvertraut wurde, der an einem Hydrozephalus litt. Otto entwickelte sich unter Steiners pädagogischer Führung so weit, dass er nach einiger Zeit die Volksschule besuchen konnte, dann auf das Gymnasium überwechselte und nach bestandener Matura Medizin studierte. Er wurde Facharzt für Dermatologie.

Ich muss dem Schicksal dafür dankbar sein, dass es mich in ein solches Lebensverhältnis gebracht hat. Denn ich erwarb mir dadurch auf lebendige Art eine Erkenntnis der Menschenwesenheit, von der ich glaube, dass sie so lebendig auf einem anderen Wege von mir nicht erworben hätte werden können. 
(R. Steiner, Mein Lebensgang)

Seit dieser Wiener Studienzeit beschäftigte Steiner die Frage nach dem Zusammenhang von Geist, Seele und Leib.